‘What´s up’ 2012, Wolfgang Abfalter

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Veränderung ist ein alter Hut, denn Stillstand gab es noch nie.
Doch jetzt ist etwas anders.
Technologiesprünge bringen Unvorhersehbarkeit.
Zum ersten Mal – seit Sokrates – gesteht man öffentlich ein, nicht genau zu wissen, wohin die Reise geht.

…Plötzlich sind Personen, die für alles eine Lösung haben, unglaubwürdig.

Andere Vorraussetzungen brauchen ein anderes Mindset und andere Player.

Christina Taylor, Managing Partner bei der Innovationsfabrik Creaholic und Autorin von ‘Oops, Innovation ist kein Zufall’ veränderte die Kultur der Telco Swisscom erfolgreich und nachhaltig indem sie Human Centered Design einführte und die Firmendenke untrennbar mit den Kundenbedürfnissen verknüpfte. Ihre Learnings über Führungsverhalten und Skills, die man in Zukunft braucht, werden in den 12 folgenden Artikeln beleuchtet und geben Antwort auf die Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Manager und einem Sinn Geber?

Co-Created by Julia Weinzettl (Text), Christina Taylor und Wolfgang Abfalter (Bild)

1. Die ambitionierte Muse

Besonders, wenn Künstliche Intelligenz und Roboter uns die banalen Arbeiten abnehmen, wird es wichtig, dass wir diesen Freiraum nutzen. Kreation von Projekten, Ideen und Lösungen sind gefragt und zwar nicht in der Kunst sondern im Business. Das wichtigste Skill des 21. Jahrhundert wird sein, Kreativität zu pflegen um einen Mehrwert zur Künstlichen Intelligenz zu bringen, indem man neue, sinnvolle Lösungen und Business Modelle entwickelt und somit Arbeitsplätze gestaltet.

Unzufrieden mit dem Status Quo 

Die wichtigste Eigenschaft der Muse als visionäre Führungskraft ist die Fähigkeit, zu Träumen. Unerwartete, überraschende Endresultate und Möglichkeiten zu sehen ohne mit der Realität unzufrieden oder gar frustriert zu sein. Dies passiert, entgegen der allgemeinen Empfindung oft nicht nur zum Beispiel auf einer Bergwanderung, oder unter der Dusche, sondern in der kontinuierlichen Interaktion mit Menschen. Mit Menschen, mit verschiedenen Perspektiven, Hintergründen, Skills und Rollen.

Perspektivenwechsel – was verstehen wir darunter?

die Fähigkeit Inhalte immer wieder aus einer neuen Perspektive anzusehen und dadurch Leute zu inspirieren und zu überzeugen. Allein der Blickwinkelwechsel startet einen Kreativprozess, Bedürfnisse und die richtigen Lösungen dafür, die vielleicht vorher unvorstellbar waren, können so plötzlich gesehen werden.

Fragen wie:

  • wie würde sich unser Bestellprozess verhalten, wenn er ein treuer Hund wäre?
  • wie wären unsere Preise, wenn wir McDonalds, Virgin oder Netflix wären?
  • wie würde ich das Produkt gestalten, wenn ich es nicht sehen könnte?

Sind die Quelle der Inspiration für Projektteams mit ambitionierten Zielen.

Die Antworten gilt es mit Hartnäckigkeit, Sinn für die Realität des Marktes und des internen Kostendrucks umzusetzen.  

Was ist nun die Rolle einer Muse?

…. Allein durch die Anwesenheit einer Muse und ihrem Wirken bringt sie andere dazu kreativ zu sein.
Das genügt aber nicht in der Businesswelt. Die Muse des neuen Jahrtausends braucht Ambition. Sie inspiriert aktiv durch ihre Taten, Präsenz und Tiefgründigkeit ihrer Handlung. Sie agiert als aktiver und selflearning Katalysator. Sie verstärkt nicht nur durch ihr Tun, sie entwickelt diese Wirkung weiter und exponiert sich. Sie wagt es nicht nur zu träumen, sie setzt ihre Träume um.

Jeder schreit nach dieser Art der Kreativität – warum passiert sie dann nicht?

Oft wird folgendermaßen assoziiert:

Ambition = Business = Krieg

Kreativität = Kunst = Hingabe/Verletzlichkeit

Wie kann sich eine Muse in der Businesswelt bewegen, wenn dort alles über Ambition und Ellbogentechnik läuft und sich viele fast wie im Krieg befinden?
Kreativer Output wird oft unterdrückt, weil die Verbindung von Hingabe und Verletzlichkeit mit Zielorientierung und Umsetzungsstärke nicht gelernt ist. Um volles kreatives Potential auszunutzen, muss es aber möglich sein, sich mit unperfekten Sachen zu exponieren. Um diesen Zustand zu erreichen ist psychologische Sicherheit notwendig.
Die ambitionierte Muse exponiert sich mit unvollendeten Prototypen, hört zu, beobachtet die Reaktionen und lernt davon. Egal ob es sich um Produkte, Services oder eigenen Verhaltensweisen handelt.
Das ist derzeit in der Businesswelt der größte Stolperstein, weil auch Lernen und Reflektieren muss gelernt sein. Dies ist bei einigen Führungskräften durchaus vorhanden, es ist aber in den wenigsten Fällen quer durch die Organisation oder Rund um den CEO Standard.

Zwei Kräfte müssen gemanaged werden um das richtige Umfeld für die Muse zu erzeugen.

Umgang mit Macht: Leider passiert es allzu oft, dass einzelne Interessen wichtiger werden als das gemeinsame, konstruktive Suchen nach einer ausserordentlichen Lösung. Potentielle Musen werden bewusst aufs Glatteis geführt oder Konzern Spielchen ausgesetzt.

Bedürfnis nach Sicherheit: Kreative Lösungen sind nie kalkulierbar, sicher und vollständig planbar. Potentielle Musen verzweifeln an der Menge von Regularien, Entscheidungsgremien und Stakeholdern, die gemanaged werden müssen.

Allzu oft scheiden in diesem Umfeld kreative Geister aus der Business Welt aus oder ziehen sich zurück, ohne den Versuch neue Wege zu initiieren und zu gehen.

Die ambitionierte Muse, hingegen gibt nicht auf. Sie überlebt, ohne frustriert zu sein oder Opfer zu werden. Sie exponiert sich mit Ideen, Träumen und Prototypen und setzt sie um. Sie riskiert Beulen und schart ein Team um sich, mit derselben Motivation. Nicht zufrieden zu sein, mit dem Status Quo.

Klingt nach viel verlangt, die Voraussetzungen waren aber noch nie besser um ambitionierte Musen zuzulassen. Mit Methoden wie agiles Arbeiten, einer ausgeprägten Fehlerkultur, Human Centred Design und Feedbackschleifen, ist eine große Welle im Gange um psychologische Sicherheit zu erarbeiten und Perspektivenwechsel in der DNA zu verankern.

Wir sind neugierig – wer ist deine Muse? Bist du eine Muse? Wenn ja wo und wie?


…Willst du mehr über die Unternehmenskultur in der Musen überleben, erfahren?
Das Buch Oops! Innovation ist kein Zufall – ist ein Praxisbeispiel für die Entwicklung einer kreativen Innovationskultur.

 

Christina Taylor, Managing Partner Creaholic SA

About:
Christina Taylor ist Managing Partner und Mitinhaberin der Creaholic SA in Biel, einer führenden Schweizer Innovationsfabrik. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Customer Experience Design, Transformation und Produkterfindung. Christinas Erfahrung reicht von der Telekommunikationsbranche (Swisscom) bis hin zu Non-Profit-Organisationen. Sie arbeitete fünf Jahre lang im Silicon Valley am Outpost von Swisscom und brachte ihr Wissen über visionäres Entrepreneurship und Human Centered Design in die Schweiz zurück. Christina ist die Autorin von ‘Oops! Innovation ist kein Zufall’, ein Buch, das den 15-jährigen Wandel der Swisscom von einem traditionellen, technologieorientierten Unternehmen zu einem agilen, menschenzentrierten Unternehmen beschreibt. Geboren in Biel wuchs Christina in einem Umfeld mit verschiedenen Sprachen und Kulturen auf, in welchem sie schon früh Ihr Interesse für den Menschen und seine Bedürfnisse und Handlungen entdeckte. www.creaholic.com, ‘Oops! Innovation ist kein Zufall’

 

Wolfgang Abfalter, Künstler

About:
Geboren 1964 in Waidhofen/Ybbs. 1986 erfolgreicher Abschluss des Fachlehrganges für Werbegrafik in Innsbruck. Bis 2009 als selbstständiger Grafikdesigner tätig.
Seit 2009 intensives Studium der Malerei mit Ausstellungen in Österreich, Deutschland u. Frankreich. Anerkennung durch Bildankäufe in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
www.abfalter.eu