1

Arbeitstrend Portfolioworker

Russell E. Perry/CEO Kompany 360 GmbH

DER ARBEITSTREND GEHT ZUM PORTFOLIOWORKER- UNABHÄNGIGES ARBEITEN STATT DEM DRANG MANAGER ZU WERDEN

TF: Wie hat sich aus Deiner Sicht, im Laufe Deiner persönlichen beruflichen Entwicklung, als Entrepreneur, CEO eines Startups und als Vorreiter in der österreichischen Internetlandschaft die Arbeitswelt verändert – wohin wird die Reise gehen?

Ich bin seit 1992 in der Berufswelt tätig, anfangs in einem großen Unternehmen mit 300.000 Mitarbeitern und einem sehr eingeschränktem Aufgabengebiet.  Am wohlsten fühle ich mich in kleinen, vielleicht sogar noch nicht voll errichteten Unternehmen und Unternehmungen mit einem vollen und breitem Aufgabengebiet. Was ich sehe ist eine Arbeitswelt die sich in den letzten 10 Jahren für Spezialisten – sei es technische-, finanz- oder auch Prozessspezialisten – stark verändert hat. Spezialisten wurden in Europa als Juniors eingesetzt und mussten auf die Managemenverantwortung „warten“. Ich denke das Management – das Middle-Management – wird weniger wichtig und der Trend ist, bereits Spezialisten mit designierten Portfolioaufgaben zu betrauen. Der nächste Schritt, denke ich,  ist die Entkoppelung von Spezialisten von ihren Firmen – es entstehen nun und es gibt bereits zahlreiche Portfolioworker mit einschlägigen Erfahrungen und Spezialisierungen, die unabhängig arbeiten und auf die Problemstellungen fokussieren können statt dem Drang Manager zu werden.

Das stellt uns aber wiederum vor das Problem, dass der Mensch eine Struktur benötigt um privat wie auch beruflich leben zu können. Nicht nur formell in einer Organisation sondern auch in der zwischenmenschlichen Beziehung zu Kollegen, auch wenn diese projektbezogen nur temporär sind.

Mithilfe von Technology und Onlineplatformen kann diese Struktur virtuell bereits jetzt etabliert werden. Die Zukunft sehe ich nicht voll von Virtual Reality Meetings und Remote Presence Interaktion, aber die temporäre Verbundenheit eines Portfolioworkers mit Projektkollegen und dem Unternehmen wird teilweise dadurch unterstützt werden.

In 10 Jahren kann ich mir in einigen High-Tech Sektoren sogar vorstellen, dass ein Unternehmen keine fixen Mitarbeiter mehr hat sondern kurz- und langfristige Portfolioworker, inklusive „Management-Spezialisten“ verwendet. Andererseits gruppieren sich vermehrt Spezialisten zu virtuellen Unternehmungen zusammen.

Um diesen Trend zu unterstützen sind jedoch auch Änderungen und Anpassung der Arbeitsrechte und Gesellschaftsrechte gefragt. Diese sind auf Produktion und Handel ausgelegt und stellen die Arbeitsweise des 19. Jahrhunderts dar.

TF: Was ist Deine Vision?

In ferner Zukunft werden wir uns wahrscheinlich damit befassen müssen, dass bestimmte Portfolios – von Design bis zur Produktion sogar – automatisiert von selbstlernenden Robotern übernommen werden. Dazu reden wir aber lieber erst in 10 Jahren.