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Andreas Tschas
Co-Founder/CEO Pioneers/JFDI GmbH

TF: Wie hast Du Dich mit dem Thema Arbeit auseinandergesetzt? Was war Deine Motivation Pioneers zu gründen?

Ich habe eigentlich nie diesen “ typischen“ Job gehabt. Ich habe an der Universität mit meinem besten Freund eine studentische Unternehmensberatung gegründet. Daraus ist die Idee entstanden Wirtschaftler und Techniker zusammenzubringen, das war der Beginn von „Start Vienna“.

Wir haben gemerkt, dass es in ganz Europa junge Leute gibt, die nach etwas Sinnvollem suchen. Wir sehen die Tendenz, dass das Start-Up und Enterpreneurship Thema vor allem junge Leute begeistert und seit ein paar Jahren oft mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung bietet als in einem Konzern zu arbeiten.

Bis jetzt wurde man in Österreich, nicht nur in der Schule, sondern oft auch von den Eltern, eigentlich zum Beamten erzogen. Der „sichere Job“ war ein wichtiges Thema. Aber den Job, in dem man sein Leben lang arbeitet, gibt es so nicht mehr.
Die Erfahrung, die ich mache, ist, dass es viele Jobwechsel gibt, die allerdings aufgrund von Unzufriedenheit und nicht aufgrund besserer Angebote getätigt werden.
Motivation ist ein wichtiges Thema, es gibt private Ziele und Firmenziele. Im Idealfall kann ein Mitarbeiter seine persönlichen Ziele in einem Unternehmen verwirklichen. Das ist eine intrinsische Motivation, die durch Geld nie ausgelöst werden kann.
Um persönliche Ziele wie Verantwortung, Selbstverwirklichung und das Bedürfnis etwas Sinnstiftendes zu machen zu erreichen, hat die Gründung des eigenen Start-up oder die Mitarbeit in einem Start-up derzeit bessere Arbeitsvoraussetzungen. Ich glaube, dass es diese Möglichkeiten auch in Konzernen gibt, dass man aber aufgrund der Strukturen lange danach suchen muss.
Uns ist es wichtig Unternehmertum zu fördern, denn wir haben erkannt, dass es einen großen Bedarf an Unterstützung, Inspiration und internationaler Vernetzung gibt.

TF: Gibt es aus Deiner Sicht eine klare Richtung wohin sich das Arbeitsleben entwickeln wird?

Eine klare Entwicklungsrichtung ist für mich derzeit nicht absehbar. Wir sind momentan an einem interessanten Punkt in unserer Geschichte angekommen. Wir sind sehr starken Veränderungen im Bereich Kommunikation, Information und Technologie unterworfen.
Mein Bauchgefühl sagt, dass der Trend zur „Ich-AG“ geht. Es gibt unter den jungen Unternehmern eine klare Bewusstseinsbildung über ihre Stärken, es wird ein eigenes Portfolio entwickelt und dann überlegt, wo dieses gezielt eingesetzt werden kann.

Dazu kann ich drei Strömungen identifizieren:
„Big Data“, die Möglichkeit auf alle Informationen zuzugreifen und sich selbst weiterzubilden.
Der soziale Trend, der Wunsch etwas Sinnvolles zu machen. Geld ist ein Hygienefaktor, der aber in den Hintergrund tritt.
Der Technologietrend, der es dem Individuum ermöglicht seine eigenen Ziele zu verfolgen und eine räumliche und zeitliche Unabhängigkeit gewährleistet.
Die Digitalisierung hat Einfluss auf alle Bereiche, ob es sich um den Bankensektor oder die Forschung handelt, den Energiebereich oder den medizinischen Bereich. Grundsätzlich kann man sagen: “Technologie ermöglicht dem Individuum noch stärker seine Interessen zu verfolgen und das zu machen, was ihm Spaß macht.“ Was Technologie aber nicht schafft ist herauszufinden was einem Spaß macht.

TF: Was ist die größte Herausforderung, die in der Arbeitswelt auf uns zukommt?

Meiner Meinung nach liegt die Herausforderung zu 90% im Bildungsbereich. Ich glaube, es ist wichtig das unternehmerische Denken schon in der Ausbildung zu thematisieren: Man sollte Jugendlichen sehr früh mit auf den Weg geben, dass man herausfinden soll, was einem Spaß macht. Wichtig ist auch den Mut zum Ausprobieren zu vermitteln. Die Kultur des Scheiterns muss gestärkt werden und es muss vermittelt werde, dass es nicht schlimm ist, wenn man scheitert.

TF: Ist der Bildungsbereich nicht auch einer der Schwerpunkte von Pioneers?

Für Pioneers ist das natürlich auch der Grund, warum es uns gibt. Wir haben ursprünglich gesagt: „Wir wollen das Unternehmertum fördern.“ Mittlerweile sind wir die Plattform für Unternehmertum und innovative Zukunftstechnologien.
Wir haben ein neues Eventformat entwickelt, das sich „Pioneers Unplugged“ nennt und der kleine Bruder von „Pioneers Festival“ ist. Wir bieten Leuten aus der ganzen Welt die Möglichkeit „Pioneers Unplugged“ in jeder Stadt selbst zu organisieren. Es ist eine Abendveranstaltung, bei der es einen educational Vortag gibt, wie z.B. Tipps eines PR-Experten wie man als Start-Up erfolgreich PR macht. Der zweite Teil ist der inspirational Part, das letzte Mal hat z.B. das „Austrian Space Forum“ über die Reise zum Mars gesprochen.

Diese Veranstaltung findet 3 bis 6 Mal im Jahr in Österreich statt und ist im Gegensatz zu „Pioneers Festival“ selbst organisiert und international skalierbar.

TF: Was sind im Arbeitsbereich die größten Chancen, die sich uns bieten?

Individuell wird es für offene und lerngewillte Personen einfacher werden sich selbst zu verwirklichen. Man muss allerdings zielorientiert sein, denn die Ansprüche sowie die Möglichkeiten steigen.
Für die Bevölkerung gibt es die große Chance, dass das Umdenken – dieses nachhaltige Denken – die Menschen dazu bewegt sinnvolle Projekte zu machen.

TF: Hast Du eine Vision?

Meine Vision ist es Menschen zu inspirieren unternehmerischer zu denken.

TF: Hast Du eine Message, die Du mitgeben möchtest?

Mir fällt hierzu ein Zitat von Henry Ford ein: „If you think you can, you can. If you think you can not, you are right.“

http://pioneers.io