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Hannes Klöpper/CEO iversity GmbH

 

Was ist iversity?

Hannes Klöpper: iversity ist eine Plattform für Massive-Open-Online-Kurse (MOOCs). Mit MOOCs ermöglichen wir Studierenden aus aller Welt, an Hochschulbildung teilzuhaben, auch wenn sie möglicherweise keinen Zugang zu Universitäten haben. Andererseits erlauben Online-Kurse es Lehrenden, ihre Reichweite auszudehnen und zehntausende Studierende in aller Welt zu unterrichten. Dieses führt zu einem besseren und breiteren Lehrangebot.

Wie wird sich der Bereich, “Universitäten, Lehren und Lernen übers Internet” innerhalb der nächsten 10 Jahre verändern?

Hannes Klöpper: Das Internet hat sich technologisch sehr stark im kommeriziellen Bereich und natürlich auch im Open Source Bereich erweitert. Viele Webtechnologien wurden zur Unterhaltung entwickelt. Die Technologien aus dem Fun und Entertainmentbereich finden jetzt andere Anwendungen, zum Beispiel im Bildungsbereich. Hier fangen wir an formelles und informelles Lernens zu vereinen. Das formelle Lernen ist das Lernen an den Hochschulen, das sich in den letzten Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten nicht besonders verändert hat. Das informelle Lernen hat sich drastisch gewandelt. Jeder Student benutzt das Internet auf vielfältige Weise, um sich Informationen zu beschaffen oder sich bestimmtes Wissen anzueignen. Diese Form der Wissensgenerierung läuft an den Institutionen vorbei. Hier ist es wichtig eine Integration zu schaffen. Einerseits Lernen über das Internet mit einer Usability zu versehen, die dem entspricht, was man aus dem privaten Umfeld kennt. Andererseits den inhaltlichen Qualitätsstandard, den das formale Hochschulwesen bietet, zu integrieren.

Wird mittelfristig universitäres Wissen nur mehr über Internetangebote vermittelt werden?

Hannes Klöpper: Der große Vorteil der Online-Angebote liegt in der Komplimentarität. Ich glaube, dass Studenten weiterhin persönlich zusammenkommen wollen, um ein Studium zu absolvieren. Aber parallel dazu entwickelt sich eine virtuelle Dimension, die es möglich macht, komplementär zur Präsenzlehre, Online-Dienste zu nutzen. So kann man von einem Angebot zu profitieren, das an dem persönlichen Standort nicht vorhanden ist. Ebenso wird durch die ‘on demand’ Funktion das berufsbegleitende Lernen erleichtert, weil es weder an Ort noch Zeit gebunden ist.

Was sind die besten Möglichkeiten, die sich uns derzeit bieten?

Hannes Klöpper: Die Vernetzung der Zugänglichkeit von Wissen und die Transparenz, die dadurch geschaffen wird. Zum einen gibt es eine ganze Überwachungsmaschinerie und die Gefahren, die damit verbunden sind und zum anderen gibt es enorme Potenziale für ein Empowerment, das gemäß des Standards der Aufklärung, uns in die Lage versetzt, uns des eigenen Verstandes zu bedienen. Das sind zwei Seiten einer Medaille und man darf gespannt sein, wie sich diese Entwicklung fortführt.

Was sind die größten Herausforderungen, mit denen wir uns in Zukunft auseinandersetzen werden?

Hannes Klöpper: Eine der Herausforderungen ist die Tatsache, dass die meisten neu entstehenden Regelungsbedürfnisse auf nationalstaatlicher Ebene nicht mehr adressierbar sind. Das betrifft z.B. in Deutschland das Gesetz, das Fernunterricht definiert. Man muss auf CD-Rom jeden Kurs einer deutschen Behörde abgeben, damit dieser freigegeben wirdt. Das gilt für tatsächlich jeden Kurs, den ein deutscher Verbraucher benutzen kann. D.h. eine amerikanische Firma, die einen deutschen Kurs anbietet, müsste theoretisch diesen auch freigeben lassen. Hier gibt es einige Bereiche, in denen aufgrund der der technologischen Entwicklung rechtsfreie Räume entstehen und ein starker Nachhol- und Anpassungsbedarf des Regulators von Nöten ist.

Was für neue Berufsbilder entstehen im universitären E-Learning Bereich?

Hannes Klöpper: Die Feststellung: ‘50% der Jobs, die in 10 Jahren wichtig sein werden, gibt es heute noch nicht.’ scheint mir durchaus plausibel. Aufgrund der vielen neuen Wissensgebiete, die gerade in der Entwicklung sind, entstehen natürlich auch neue Jobs. Für viele dieser Bereiche sind nun auch Ausbildungsgänge oder Studiengänge im entstehen.

Was ist Deine Vision?

Hannes Klöpper: Die Zusammenführung von formellem und informellem Lernen. Dass es in Zukunft möglich sein wird, mit der Flexibilität, mit der ich heutzutage anderweitig im Internet lernen kann, auch universitär und zertifiziert zu nutzen. Es soll einen universellen Bildungszugang geben, der erlaubt, jederzeit und an jeden Ort, sein Potenzial zu entfalten.

Ich glaube, dass wir mit iversity einen Schritt in die Richtung machen, viel, viel mehr Menschen diese Potenzialentfaltung zu ermöglichen.

www.iversity.org